Nicht alles muss sofort perfekt sein. Wer im Küchenalltag kleine Veränderungen testet, sammelt Erfahrungen – und bringt Bewegung ins Team. Warum Ausprobieren oft mehr bringt als große Konzepte.
Dry January und Veganuary sind vorbei. Aber die Idee dahinter bleibt spannend. Genau wie die Frage, warum man neue Dinge eigentlich unbedingt im Januar ausprobieren sollte. Mein Vorschlag: Nutze die erste Februarwoche, den März oder einen anderen Zeitraum, um in Kantine, Mensa und Co einfach etwas auszutesten, was du schon immer mal machen wolltest.
Ohne Druck. Ohne den Anspruch, alles sofort perfekt zu machen. Denn in der Gemeinschaftsverpflegung sind es oft nicht die großen Konzepte, die wirklich etwas verändern. Es sind die kleinen Schritte.
Große Umstellungen kosten Zeit, Geld und Nerven. Sie müssen geplant, abgestimmt und abgesichert werden. Kein Wunder also, dass viele gute Ideen im Alltag stecken bleiben. Kleine Veränderungen funktionieren anders. Sie sind überschaubar, schnell umsetzbar und lassen sich gut testen.
Was wir dabei nicht vergessen sollten: Wer etwas ausprobiert, sammelt Erfahrungen und allein das ist hilfreich, unabhängig davon, ob die eigentliche Idee sich durchsetzt oder nicht. Kleine, regemäßige Veränderungen senken die Hemmschwelle neue Dinge auszuprobieren. Und zwar nicht nur im Team sondern auch bei den Gästen!
Statt den kompletten Speiseplan umzustellen, wird testweise eine pflanzliche Beilage eingeführt. Vielleicht wolltest du schon immer mal mehr heimische Hülsenfrüchte in den Speiseplan einbauen? Dann setze einfach mal ein Gericht mit Linsen, Kichererbsen oder weißen Bohnen auf den Speiseplan.
Oder du überlegst, auf Bio umzustellen? Schau, ob du ein einzelnes Produkt, z.B. Kartoffeln oder Nudeln, austauschen kannst. Alles kleine Schritte mit großer Wirkung.
Damit kleine Ideen nicht im Stress untergehen, hilft ein klarer Ablauf. Ganz ohne großes Projektmanagement.
Erstens:
Eine Sache auswählen. Nicht drei, nicht fünf. Eine reicht. Hier dürfen auch gerne Impulse aus dem Team kommen
Zweitens:
Einen Testzeitraum festlegen. Eine Woche, zwei Wochen oder ein Monat.
Drittens:
Das Team informieren. Kurz erklären, was getestet wird und warum.
Viertens:
Beobachten. Wie reagieren Gäste? Wie läuft es im Ablauf?
Fünftens:
Entscheiden. Behalten, anpassen oder wieder streichen.
In der Salatbar werden gekochte Kichererbsen eines regionalen Produzenten angeboten, einen Monat lang. Am Ende wird geschaut: Wie oft wurden sie gewählt? Wie war das Feedback? War der Aufwand machbar? Danach fällt eine Entscheidung – gemeinsam im Team.
Nicht jede Veränderung muss dauerhaft bleiben. Und nicht jede Idee funktioniert sofort. Das ist kein Scheitern, sondern Teil des Prozesses. Wichtig ist, offen damit umzugehen und die Erfahrungen mitzunehmen.
Wer regelmäßig testet, schafft eine Kultur des Ausprobierens. Veränderungen werden normal. Mitarbeitende bringen eher eigene Ideen ein, weil sie merken: Vorschläge sind erwünscht. Und Gäste erleben die Küche als lebendig und offen.
Ein neues Gericht kommt gut an, braucht aber eine andere Beilage. Eine getestete Portionsgröße wird angepasst, weil zu viel zurückkommt. Oder eine Idee wird bewusst mit der Erkenntnis beendet “Das war es nicht”. Auch das ist ein Erfolg.
Aktionen wie Dry January oder Veganuary zeigen, wie leicht Menschen bereit sind, Neues zu testen, wenn der Rahmen stimmt. Genau das gilt auch für die Gemeinschaftsverpflegung. Es geht nicht darum, alles auf den Kopf zu stellen. Es geht darum, regelmäßig kleine Schritte zu gehen. Dinge auszuprobieren. Offen zu bleiben. Und aus Erfahrungen zu lernen.
Denn jede kleine Veränderung kann etwas in Bewegung bringen: im Team, im Ablauf, beim Angebot.
Und genau diese Bewegung hält Küchen lebendig.
Manchmal reicht schon ein kleiner Test, um etwas Großes anzustoßen..
Du willst etwas bewegen – aber nicht allein? Dann lass uns sprechen.
Quellen:
Titelbild: anupong saetong von Getty Images Pro/Canva